Kalkformationen im Münsterland
Ergebnisse aus früheren Untersuchungen lassen vermuten, dass das Münsterland ein großes Potenzial hat, klimafreundliche geothermische Energie für eine zukünftig dekarbonisierte Wärmeversorgung zu erschließen.

In NRW ist das Münsterland eine Pilotregion für die geothermale Charakterisierung des Untergrundes in bis zu 6 Kilometer Tiefe. Damit werden geologische Strukturen im tiefen und mitteltiefen Untergrund im Hinblick auf ihr geothermisches Potenzial und ihre Eignung als natürliche Wärmequelle für eine ganze Region untersucht. Bei der Auswahl des Gebietes orientierte sich die Landesregierung einerseits daran, wo entsprechende Potenziale zu vermuten sind. Andererseits betrachtete sie die Wärmebedarfsstruktur vor Ort. Der Wärmebedarf ist im Münsterland groß und bisher vorwiegend fossil gedeckt. Industrielle Abwärme steht eher nicht zur Verfügung.

Warum hier?

Um die Wärme aus der Tiefe nutzen zu können, werden im Rahmen dieses Projektes wasserführende Schichten im Untergrund gesucht. Diese enthalten einerseits viele kleine Hohlräume, in denen heißes Tiefenwasser gespeichert ist. Andererseits sind sie durchlässig, was heißt, dass die Hohlräume miteinander verbunden sind. In Verbindung mit Bruchzonen und verkarsteten Bereichen stehen die Chancen gut, dass das heiße Tiefenwasser mit einer ausreichenden Fließrate gefördert werden kann. Kalkstein ist ein Gestein, das diese Eigenschaften und somit ausreichende natürliche Wasserwegsamkeiten aufweisen kann.

Vom Untergrund des Münsterlandes ist bereits bekannt, dass gleich drei Kalksteinformationen in unterschiedlichen Tiefenlagen vorhanden sind. Besonders interessant ist der sogenannte devonische Massenkalk in 5.000 bis 6.000 Meter Tiefe. In dieser Tiefe sind sehr hohe Temperaturen von bis zu 180 °C zu erwarten. Außerdem ist zu vermuten, dass die Gesteinsschicht ausreichend mächtig ist, um ein ergiebiges Reservoir für die Nutzung der hydrothermalen Wässer zu bieten.

Die Kalksteinformationen im tiefen Untergrund des Münsterlandes könnten also ausreichend große Mengen heißer Tiefenwässer enthalten, um die Region mit dekarbonisierter Wärme zu versorgen. Im Großraum München werden heiße Tiefenwässer aus einer Kalksteinformation (Oberjura) in bis zu 4.600 Meter Tiefe bereits umfangreich zur Wärmegewinnung genutzt.

Über den tieferen Untergrund im Münsterland gibt es jedoch bisher nur Modellvorstellungen. Es ist wenig über die genaue Lage der Schichten bekannt. Bei der Charakterisierung des tiefen und mitteltiefen Untergrundes des Münsterlandes handelt es sich somit um eine Erkundung der Grundlagen. Das Land NRW finanziert die aufwendige Untersuchung, damit die Kommunen bei geothermischer Eignung auf den Ergebnissen aufbauen und die geothermische Energie erschließen können.

Kalkformationen im Münsterland
DEKORP2-Linien

Woher stammen bisher vorliegende Erkenntnisse?

Bereits im Jahr 1963 wurde die Tiefbohrung „Münsterland 1“ in Aulendorf bei Billerbeck niedergebracht. Mit fast 6.000 Meter Tiefe war sie die seinerzeit tiefste Bohrung Europas. Man gewann Erkenntnisse zur geologischen Schichtung des tiefen Untergrundes und fand unter anderem Kalksteinschichten in 5.000 bis 6.000 Meter Tiefe. In solchen Tiefen herrschen Temperaturen von bis zu 180 °C.

Zwischen 1984 und 1997 fanden in ganz Deutschland im Rahmen des DEKORP-Programms (Deutsches Kontinentales Reflexionsseismisches Programm) geologische Untersuchungen statt. Finanziert wurden sie vom damaligen Bundesministerium für Forschung und Technik (heute Bundesministerium für Bildung und Forschung). Federführend war das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie in Hannover. Interessant für das Münsterland sind die DEKORP2-Linien. Sie erkundeten auf 220 Kilometer Länge einen Querschnitt durch das Rheinische Massiv vom Münsterländer Becken im Norden bis zum Rheinischen Taunus im Süden.

Gewisse Vorkenntnisse sind somit bereits vorhanden. Um das vermutete geothermische Potenzial im Münsterland genauer zu untersuchen, ist nun der GD NRW mit der geothermalen Charakterisierung des Gebiets beauftragt. Eine bewährte und zugleich minimalinvasive Technologie, die detaillierte Einblicke in die geologischen Strukturen des Untergrundes ermöglicht, ist die sogenannte 2D-Seismik.

Wo genau wird gemessen?

Geplant sind zwei Messlinien von ca. 45 und 25 Kilometer Länge, die sich in der Stadt Münster kreuzen. Eine verläuft in Nordwest-Südost-, die andere in Südwest-Nordost-Richtung. Das Untersuchungsgebiet umfasst die Stadt Münster sowie die umliegenden Gemeinden Billerbeck, Dülmen, Havixbeck, Nottuln, Rosendahl, Senden und Sendenhorst.

Die beauftragte Firma DMT aus Essen erkundet zunächst in den vorab festgelegten Korridoren geeignete Straßen. Bei der Planung der Messlinien hat die Sicherheit von Gebäuden und Infrastruktur vor Ort oberste Priorität. Dazu zählen beispielsweise unterirdische Leitungen, Brücken, denkmalgeschützte Gebäude oder Wasser- und Naturschutzgebiete. Sind die möglichen Messlinien identifiziert, holen sogenannte „Permitter“ im Vorfeld der Untersuchungen alle notwendigen Erlaubnisse (z. B. Wegerechte) ein. Auch alle relevanten Behörden (Tiefbau, Verkehr, Natur-, Wasser- und Denkmalschutz) sind eingebunden.

Karte der geplanten Messkorridore